Am Rande

by Gernot Kröslin on 28. Februar 2010

Willkommen auf den Seiten unserer Randgruppe. Nahe der Lausitzer Neiße, am östlichen Ende der BRD, kümmern wir uns um das Jenseits derselben. Wir wissen, daß das nicht gut angesehen ist. Dafür können wir aber nichts. Wir tun und unterlassen, was uns dünkt.

Wir sind frei, weil wir niemanden über uns haben als den Allmächtigen – keine alten Herren mit dicker Brieftasche, die gern Leute für ihre Privatfehden kaufen, keine Organisationen, die andere für ihre Beleuchtung verbrauchen, keine sogenannte politische Richtung, die auch nur dorthin zeigt, wo es etwas zu versprechen gilt.

Wir, das ist ein übersichtlicher Haufen Unbelehrbarer. Unbelehrbar, weil wir von all den Lügen, Verdrehungen und Wahrheiten aus nächster Nähe belehrt worden sind. Was uns verbindet, ist nichts weiter als die Idee, daß alles anders werden und nichts so bleiben muß, wie es vergängliche Statthalter in ihrem Zenit bestimmten. Dazu gehört, daß wir es kribbeln spüren und Bilder in uns auftauchen, wenn jemand von Breslau, Liegnitz, Gleiwitz, Teschen, Reichenberg, Braunau usw. spricht – so wie andere bei Auschwitz befehlsgemäß zusammenzucken. Dabei haben wir das Wort Kultur durchaus verachten gelernt. Es riecht nach Museum.

Hier im Randgebiet regiert die Schwermut. Wer von uns etwas erwartet, was er nicht selbst leisten würde, kann lange warten. Wir tun etwas, aber wir hängen es an keine Glocken. Wir blasen Nichtigkeiten nicht zu Besonderheiten auf und schreiben keine Bettelbriefe. Du kannst mit uns Ostdeutschland bereisen, bearbeiten und verstehen. Vielleicht wirst auch Du dann begreifen, weshalb all die schönen Flecken der Welt neben dem doppelten Ostdeutschland – alt und jetzt – blaß werden.

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